Veröffentlicht am 2. Juli 2021

1000 Minuten Experiment #2: Lesen

Die zwei Bücher, die ich gelesen habe und die Liste, mit der ich dafür gearbeitet habe

Für den Juni 2021 hatte ich mir vorgenommen 1000 Minuten zu Lesen. Warum ich dieses Projekt gestartet habe, kannst du in meinem Artikel Gewohnheiten entwickeln mit dem 1000 Minuten Experiment nachlesen. Nachdem ich im ersten Monat des Experiments Ashtanga Yoga geübt habe, habe ich im zweiten Monat den Fokus auf das regelmäßige Lesen gelegt. Manche Dinge waren dieses Mal anders, andere ganz ähnlich.

Was habe ich erwartet und wie war es wirklich

Ich wollte endlich mehr lesen. Meinen Bücherstapel etwas minimieren und eine Leseroutine in meinen Alltag integrieren. Das hat mehr oder weniger gut geklappt. Ich habe immer zu verschiedenen Zeiten und unterschiedlich lange gelesen. Von einer Routine bin ich immer noch weit entfernt. Zu Beginn des gesamten 1000 Minuten Experiments habe ich fünf allgemeine Erwartungen und Wünsche formuliert. Mal sehen, wie das Thema Lesen abgeschnitten hat: 

Fundierte Erfahrungen machen
Ich habe als Kind gerne und viel gelesen. Seit dem Studium habe ich fast nur noch Sachbücher gelesen. Ich bin so vielseitig interessiert und wissensdurstig, dass ich keine Muße für Romane habe. Aber selbst das Lesen von Sachbüchern wurde über die Jahre immer weniger. Durch das Experiment habe ich das Lesen jenseits der täglichen Zeitungslektüre und der aktuellen Aus- und Weiterbildungen wieder in meinen Alltag geholt. 

Lernen
Endlich zwei dicke Bücher fertig gelesen. Sie hatten mich wirklich interessieren und standen schon lange auf meiner Liste. Ganz grob etwa 1000 Seiten in 1000 Minuten. Passend zu meinen Lieblingsthemen ein Buch über das einfache Etablieren von Gewohnheiten (James Clear: Die 1% Methode) und eines über die wissenschaftliche Grundlagen zum gesunden Abnehmen auf der Grundlage von vollwertig-pflanzlicher Ernährung (Michael Greger: How not to diet).

Mehr Fokus im Alltag
Mein Plan war, mit dem dicksten Buch anzufangen und mich nicht ablenken zu lassen. Meist verfange ich mich in der Ausrede, dass ich ja nur 15 Minuten Zeit habe und lese dann lieber einen kurzen Artikel. Durch das 1000 Minuten Experiment habe ich einfach Seite für Seite das dicke Buch gelesen. Und dann war es ganz einfach und hat sich auch einfach angefühlt. 

Stolz auf mich sein, dass ich 1000 Minuten geschafft habe
Bei dem Experiment #2 war ich sogar noch glücklicher als bei #1 mit dem Yoga. Im ersten Monat war ich mir sicher, dass ich die 1000 Minuten schaffe, da ich schon eine tägliche Yoga Routine hatte. Beim Lesen war ich mir nicht so sicher. Ich musste mich neu damit einrichten. Umso glücklicher bin ich, dass es geklappt hat.

Spaß haben
Ich liebe es, mir Wissen anzueignen. Besonders diese beiden Bücher haben ihre Inhalte mit zahlreichen Studien und Experimenten untermalt. Das hat mir das Verstehen erleichtert. Gleichzeitig habe ich so auch etwas zum Erzählen gehabt und konnte mein neues Wissen in Anekdoten gleich weitergeben. Spaß haben und etwas Neues lernen ist für mich dasselbe. Also ein großes JA. 

Wie kann ich eine neue Gewohnheit in den Tag einbauen

Ich eigne mir gerne Wissen an und lese gerne. Trotzdem hatte (und habe) ich keine Leseroutine. Abends vor dem Schlafen bin ich meist zu müde, meine Morgenroutine ist schon gut gefüllt. Es war über den gesamten Monat ein zäher Prozess und ich musste mich immer wieder aufraffen dranzubleiben

Ironischerweise habe ich im letzten Drittel des Experiments das Buch “Die 1% Methode” von James Clear (im Original Atomic Habits) gelesen. Das hätte ich vielleicht zuerst lesen sollen. Dort habe ich viel über das Bilden von Gewohnheiten gelernt und worauf es ankommt. Manches hatte ich schon intuitiv richtig gemacht, manches werde ich in Zukunft bewusst machen. James Clear beschreibt vier Grundlagen für das erfolgreiche Etablieren von Gewohnheiten:

⭐️ Die Gewohnheit muss offensichtlich sein

Das gewünschte Verhalten wird ausgeführt, wenn der Auslösereiz offensichtlich ist. Das war in meinem Fall das Buch auf dem Sofa und die Liste für das 1000 Minuten Experiment auf meinem Schreibtisch. So habe ich den Auslösereiz stets vor Augen gehabt und konnte das Lesen zumindest nicht vergessen. 

⭐️ Die Gewohnheit muss attraktiv sein

Es ist einfacher ein Verhalten auszuführen, dass uns Freude bereitet. Ich habe für das Experiment Bücher ausgewählt, die ich auf jeden Fall lesen wollte. Ich hatte schon so viele Menschen davon sprechen gehört, dass es für mich sehr anziehend war, sie jetzt selbst und vollständig zu lesen. Da mir Lernen Freude bereitet, war eine Dopamin-Ausschüttung für mich garantiert

⭐️ Die Gewohnheit muss leicht sein

Ich habe mit dem Buch von Michael Greger angefangen, weil es in kleinen Abschnitt und viele Unterartikel aufgeteilt ist. So war es mir möglich auch nur für 15 Minuten zu lesen. Es gab keine große Hürde mir mindestens X Minuten Zeit nehmen zu müssen, damit es sich lohnt überhaupt anzufangen. So habe ich es mir durch die Wahl des Titels leicht gemacht, die Gewohnheit auszuführen.

⭐️ Die Gewohnheit muss zufrieden machen

Langfristig behält man eine Gewohnheit nur dann, wenn sie nicht nur eine kurzfristige umgehende Befriedigung mit sich bringt. Wichtig ist für das längere Dranbleiben ist, dass wir uns bewusst machen, dass wir Fortschritte machen und uns auf dem richtigen Weg befinden. Für mich war es ein gutes Gefühl zu sehen, wie ich beim Lesen immer weiter vorwärts kam. Am Ende des zweiten Buches habe ich zufrieden zurückblicken können. Zwei Bücher in 30 Tagen ohne wahnsinnig viel Aufwand. Ein gutes Gefühl.

Was bleibt vom 1000 Minuten Experiment Lesen

Ich bin motiviert mehr und weiter zu lesen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir noch nicht sicher bin, wie ich das Umsetzen kann und werde. Angespornt von meinem neuen Wissen über Gewohnheitsbildung bin ich gerade motiviert ganz viel zu integrieren. Ich gestalte gerade meine Morgenroutine um (aufgrund des Experiments #1 gehe ich jetzt morgens um 7:30 Uhr ins Yogastudio, um Ashtanga zu üben). Ich bin mir unsicher, wie ich das Lesen beibehalte.

Der kritische Punkt ist das Wann. Wann nehme ich mir die Zeit? Am besten auch immer zur selben Zeit? Oder in Verknüpfung mit einer anderen bereits etablierten Routine (etwa jedes Mal nach dem Mittagessen, Abendessen, Zähne putzen)? Ich werde experimentieren. 

Als Ergänzung habe ich mir eine App mit einem Zugang zu Hörbüchern auf mein Smartphone geladen. Hören ist zwar etwas ganz anderes als Lesen, aber ich werde etwas damit spielen. Also einfach ausprobieren, ob ich vielleicht abends im Bett noch etwas höre, wenn ich schon zu bequem bin noch einmal ein Buch in die Hand zu nehmen. 

Was ist das nächste 1000 Minuten Experiment

Für den Juli 2021 habe ich mir vorgenommen, mehr in den Kontakt mit der Erde zu kommen. Ich hatte Earthing oder Grounding bereits in meinem Artikel “Bewusst Leben im Sommer” als Tipp #2 vorgestellt. Es geht darum, mit den nackten Füßen in einen direkten Kontakt mit der Erdoberfläche zu kommen. Ich habe davon gelesen und bin neugierig, wie sich das auf mich auswirken kann.

Die Idee ist, dass wir unsere elektrischen Spannungen im Körper mit dieser Praxis erden können. Genau diese Erdung erleben wir Menschen nämlich immer seltener. Ganz einfach weil wir zwischen unserer Haut und der Erde meist nicht leitende Materialien haben: Schuhsohlen aus Kunststoff, Leben in Häuser, Picknickdecken aus Plastik und so weiter. 

Das Erden soll Entzündungen lindern, die Herzgesundheit erhöhen, Stress lindern, den Schlaf verbessern und vieles mehr (Studie auf Englisch und hier). Es werden auch Produkte verkauft, mit denen man sich in der Zivilisation erden kann. Das interessiert mich allerdings gar nicht. Ich werde ich mir ganz einfach vornehmen 1000 Minuten bewusst Barfuss zu sein und meine Füße auf die Erde zu bringen. 

Ich gebe zu, dass das mein Juli-Experiment wohl leicht wird. Ich bin nämlich 8 Tage in Italien und werde dort bestimmt mehr als 30 Minuten pro Tag meine Füße am Strand in den Sand stecken. Aber wer weiß. Zumindest die ersten beiden Tage ist es hier in Berlin noch regnerisch und ich trage nach der ersten Hitzewelle im Juni wieder Socken und geschlossene Schuhe. Ich bin gespannt, wie das Wetter mein Experiment beeinflussen wird und ob ich eine Auswirkung auch nach meinem Urlaub hier zurück in Deutschland wahrnehmen kann. Ich werde berichten. 

Hast du vielleicht auch eine Idee, welche neue Gewohnheit du in dein Leben holen möchtest? Oder hast du einen Vorschlag, was ich im August machen kann? Ich tendiere aktuell zu Pranayama (Yoga Atemübungen) oder Kundalini Yoga. Ich habe mich aber noch nicht entschieden und werde mich wohl, wie die letzten beide Male erst kurzfristig festlegen. 

 

Hier geht es zu meinen anderen 1000 Minuten Experimenten

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